Geist und Materie sind Eins, untrennbar miteinander verbunden. Durch Benennung und zwei Worte in der Sprache versucht der Mensch eine unnötige Trennung um Verständnissmodelle zur Erklärung der Phänomene zu erstellen!
Panpsychismus (abgeleitet von griechisch pan „alles“ und psyche „Seele/Geist“) ist die philosophische Lehre, dass Bewusstsein oder geistähnliche Eigenschaften nicht nur bei Menschen und Tieren, sondern fundamental in der gesamten Realität, also auch in unbelebten Objekten wie Steinen, Atomen oder dem Universum selbst, existieren. Statt das Bewusstsein als etwas Besonderes zu sehen, das aus Materie entsteht, betrachtet der Panpsychismus Geist (oder Proto-Geist) als einen grundlegenden, allgegenwärtigen Aspekt des Universums, der mit zunehmender Komplexität des physischen Systems komplexer wird (Gradueller Panpsychismus).
- Allgegenwart des Geistes: Bewusstsein ist nicht nur ein Produkt komplexer Gehirne, sondern ein fundamentales Merkmal der Wirklichkeit.
- Lösung des Leib-Seele-Problems: Er versucht zu erklären, wie Bewusstsein aus der Materie entstehen kann, indem er es als inhärent in der Materie sieht.
- Kein Dualismus: Es wird meist ein Monismus vertreten, bei dem Geist und Materie zwei Seiten einer grundlegenden Substanz sind, im Gegensatz zu Materialismus oder Dualismus.
- Graduelle Entwicklung: Bewusstsein ist nicht überall gleich, sondern nimmt mit der Komplexität zu; ein Stein hat ein sehr einfaches Bewusstsein, ein Mensch ein komplexes.
- Nicht unbedingt Idealismus: Panpsychismus bedeutet nicht, dass die Welt nur Geist ist (wie im Idealismus), sondern dass Materie und Geist untrennbar zusammenhängen.
- Nicht Pantheismus: Pantheismus setzt Gott mit dem Universum gleich, während Panpsychismus einfach das Bewusstsein in allem postuliert.
- Der Begriff wurde vom italienischen Philosophen Francesco Patrizi geprägt; die Lehre reicht aber bis zu den vorsokratischen Griechen zurück.
- Moderne Vertreter finden sich in der analytischen Philosophie des Geistes, wie David Chalmers oder Philip Goff.
Argumente für den Panpsychismus
Die wichtigsten Argumente für den Panpsychismus sind das genetische Argument und das Argument aus den intrinsischen Naturen. Weiterhin zu nennen sind Analogie-Argumente sowie das Argument, dass der Panpsychismus zur besten Weltanschauung führt.[6]
Das genetische Argument
Zunächst ist festzuhalten, dass sich Geistiges und rein Physisches grundlegend unterscheiden: Geistige Eigenschaften wie Phänomenalität, Intentionalität (Absichtlichkeit) oder Teleologie (Zielgerichtetheit) können mittels physikalischer Strukturen nicht erfasst werden. Wie kommt der Geist nun in die (rein physische) Natur? Wo ist die Grenze zwischen Mentalem und Nicht-Mentalem in der Natur? Wann tritt das Mentale im Rahmen der Evolutionsgeschichte in Erscheinung? Ab wann hat ein menschlicher Embryo Bewusstsein? Ist die Vorstellung, dass Mentales plötzlich „wie aus dem Nichts“ entstanden ist – man spricht in diesem Zusammenhang von radikaler Emergenz – plausibel?
Viel eleganter scheint ein glatter Übergang zwischen rein Physischem und Psychischem. Nun kann es aber zwischen zwei prinzipiell unterschiedlichen Bereichen keinen glatten Übergang geben. So, wie es keinen homogenen Übergang zwischen den Zahlen (von 1 bis 200) und einem Meterstab gibt, gibt es gemäß dem genetischen Argument auch keinen Übergang zwischen rein Materiellem und (Proto-)Mentalem. Folglich muss sich etwas (Proto-)Mentales bereits auf den unteren Ebenen der Natur finden lassen.[7] Wenn man eine möglichst einfache Theorie haben möchte, dann sollte es nichts rein Physisches geben. Will man letztere Sparsamkeitserwägung vermeiden, kann man zum selben Ergebnis gelangen, wenn man das genetische Argument mit der folgenden Überlegung kombiniert.
Das Argument von den intrinsischen Naturen
Man nehme irgendeinen Gegenstand in der Welt. Man beschreibt ihn dadurch, dass er Teil eines Systems ist, wie beispielsweise die Arbeit im System der Ökonomie oder bestimmte Atomgitter und Moleküle im System der Chemie usw. Für jedes solcher Systeme gibt es Darstellungen in Lehrbüchern, oft auch Simulationen in Museen oder auf Computern. Was macht nun aber den Unterschied, dass man mit dem Wort „Kochsalz“ ein konkretes Molekül und nicht eine Simulation im Museum meint? Die Chemie kann diesen Unterschied mit ihren Begrifflichkeiten nicht ausdrücken. Ein spezifisches Kochsalzmolekül muss sich also durch etwas auszeichnen, das außerhalb des Systems der Chemie ist. Diese Auszeichnung geschieht durch seine intrinsische Natur. In diesem Fall ist die intrinsische Natur der physikalischen Konstitution des Kochsalzmoleküls zuzuordnen.
Die einzigen intrinsischen Eigenschaften dieser Art, die wir kennen, sind jedoch unsere eigenen Empfindungen. Nur sie kommen einem Subjekt so zu, dass es nicht mit Anderem in Beziehung stehen muss. Wenn es nun keine sinnvollen Alternativen für die intrinsischen Eigenschaften physikalischer Dinge gibt, müssen sie den geistigen Empfindungen analog gedacht werden.[8] Dass die intrinsische Natur der kleinsten physikalischen Einheiten tatsächlich mit dem Mentalen zu tun hat, wird wiederum durch das genetische Argument bekräftigt.
Thomas Nagel hat 1976 eine kurze Zusammenfassung der Argumente für den Panpsychismus veröffentlicht.[15] Der in den 1970er bis 1980er Jahren im deutschsprachigen Raum populäre Wissenschaftsmoderator und Philosoph Hoimar von Ditfurth hat unter anderem am Schluss seines Buches Der Geist fiel nicht vom Himmel (1976) eine panpsychistische Vorstellung verbreitet, die er jedoch nicht so benannt hat: „Geist gibt es in der Welt nicht deshalb, weil wir ein Gehirn haben. Die Evolution hat vielmehr unser Gehirn und unser Bewußtsein allein deshalb hervorbringen können, weil ihr die reale Existenz dessen, was wir mit dem Wort Geist meinen, die Möglichkeit gegeben hat, in unserem Kopf ein Organ entstehen zu lassen, das über die Fähigkeit verfügt, die materielle mit dieser geistigen Dimension zu verknüpfen.“[16] Das Buch stand auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste vom 29. November 1976 bis zum 20. Februar 1977.
Darüber hinaus lässt sich festhalten, dass der Panpsychismus trotzdem seit dem Zweiten Weltkrieg in den Hintergrund der philosophischen Debatte gerückt ist – was sich erst Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts ändern sollte.
Den Beginn machte im Jahr 1996 David Chalmers mit seinem Buch The Conscious Mind. Obwohl er hin und wieder von einer „Variante des Panpsychismus“[17] spricht, nennt er sein Modell „Naturalistischer Dualismus“ und distanziert sich darin gleichzeitig vom Panpsychismus als einer „äußerst spekulativen Theorie“.[18] Fakt ist jedoch, dass er wie jeder Panpsychist eine eigene Kategorie nicht-physischer Phänomene voraussetzt, die wie die physikalischen Eigenschaften zur „Substanz“ gehören, aber funktional voneinander unabhängig sind. Er spricht dabei von so genannten „protophänomenalen Eigenschaften“, die als einzelne nicht selbst ein „Erleben“ verursachen, sondern erst im Verbund vieler solcher „mikrophänomenaler Subsysteme“.[19]
